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Thorsten Radermacher im November 1999
Abteilungsberricht: "Der Markt-Media-Service"
Serviceleistungen für Anzeigenkunden und Berater
Die Abteilung Markt-Media Service gehört in vielen großen Verlagen
mittlerweile zum festen Bestandteil der Anzeigenabteilung. Die Verlage
reagieren mit dieser Maßnahme auf die verstärkte Konkurrenz
durch eine immer größere Anzahl von Medienangeboten. Anzeigenblätter,
Szenemagazine, Lokalradios und nicht zuletzt das Internet sind zu ernstzunehmenden
Konkurrenten der Tageszeitung herangewachsen und bauen ihren Marktanteil
weiter aus. Die Zeitung hat außerdem mit einem veränderten
Nutzungs- und Freizeitverhalten der Leser, einem beschränkten Zeitbudget
und der wachsenden Zahl von Single-Haushalten zu kämpfen. Deshalb
ist es besonders wichtig, daß die Zeitungsverlage ihre Kompetenzen
und Kontaktqualitäten im Vergleich zu ihren Mitbewerbern klar formulieren
und kommunizieren. Diese Aufgabe übernimmt bei der Zeitungsgruppe
WAZ der Markt-Media Service.
Wichtige Funktionen des Anzeigenmarketings werde hier zusammengefasst.
Der Anzeigenaußendienst wird von hier aus mit wichtigen Argumentationshilfen
für den Anzeigenverkauf ausgestattet und laufend betreut. Andererseits
kann sich der Anzeigenkunde mit speziellen Fragestellungen, die die Medialeistung
der WAZ betreffen, direkt an den Markt-Media Service wenden und wird hier
umfassend beraten.
Eine wichtige Aufgabe des Markt-Media Service besteht darin, die vorhandenen
statistischen Unterlagen sowie die Ergebnisse der Mediaforschung auszuwerten
und für den Anzeigenverkauf in Form von Broschüren, Tabellen,
Grafiken, Schaubildern etc. kundengerecht aufzubereiten. Der Markt-Media
Service bedient sich hierzu der gängigen Markt-Media Studien und
der zahlreichen Ausarbeitungen der Zeitungs-Marketing-Gesellschaft (ZMG)
und wertet darüber hinaus auch das sekundärstatistische Datenmaterial
der IVW (Quartalsauflagen, Verbreitungsanalyse) aus. Außerdem steht
das Datenangebot der verschiedenen Marktforschungsinstitute zur Verfügung
(z.B. Gesellschaft für Kunsumforschung in Nürnberg). Der Markt-Media
Service gibt aber auch selbst Leserbefragungen in Form von Copytests in
Auftrag und bereitet diese anschließend für den Anzeigenverkauf
auf.
Im Rahmen des Anzeigenmarketing sind die Ausarbeitungen des Markt-Media
Service ein wesentlicher Bestandteil der Kommunikationspolitk der Zeitungsgruppe
WAZ.
Die Methodik der Markt-Media Studien am Beispiel der MA
Neben den Verbreitungsdaten und den Informationen über die Insertionskosten
benötigt die werbungtreibende Wirtschaft auch Erkenntnisse darüber,
wie sich die Nutzerschaft eines Mediums zusammensetzt und in welchem Maße
die jeweilige Zielgruppe hiermit erreicht werden kann (Affinität).
Auf diese Weise wird ein Vergleich verschiedener Werbeträger nach
Kosten-Leistungs-Gesichtspunkten erst möglich.
Wichtige Grundlage für die Media-Planung sind die regelmäßig
erscheinenden Markt-Media-Studien. Zu den wichtigsten unter ihnen zählen:
· Media-Analyse der AG.MA (MA)
· Verbraucheranalyse (VA)
· Allensbacher Werbeträger Analyse (AWA)
· Typologie der Wünsche (TdW)
Die Media-Analyse (MA) gilt als eine der wichtigsten Serviceleistungen
und als anerkannte Währung für Media-Leistung. Aufgrund ihrer
herausragenden Stellung und langjährigen Tradition soll die MA im
folgenden, stellvertretend für alle Markt-Media-Studien näher
erläutert werden.
Die MA ist die größte Mediaanalyse in der Bundesrepublik Deutschland.
Neben den Tageszeitungen und Zeitschriften wird auch das Medienverhalten
für Radio, Fernsehen und Film abgefragt. Die Zielgruppen werden anhand
demographischer Merkmale wie Geschlecht, Alter, Beruf, Einkommen, Ausbildung,
Haushaltsgröße etc. beschrieben. Es werden auch weitergehende
Kriterien zur Zielgruppenqualifikation wie z.B. Freizeitverhalten, Reisen
und Einkaufsgewohnheiten erhoben. Diese Aspekte werden in der Allensbacher
Werbeträger Analyse oder der Verbraucher Analyse allerdings sehr
viel umfangreicher behandelt.
Grundgesamtheit der MA ist die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab
14 Jahren. Die Stichprobe wird aufgrund der uneingeschränkten Zufallsauswahl
gebildet (Random-Route-Verfahren). Die Personen werden anhand eines vollstrukturierten
Fragebogens persönlich befragt.
Die streng zufällig ausgewählten Personen sind für die
angestrebte Grundgesamtheit nur bedingt repräsentativ. Deshalb müssen
die Antworten der Befragten mittels dem sogenannten Redressement an die
angestrebte Grundgesamtheit angepaßt werden.
Klärung der Begriffe LpN und LpA
Bei der Gründung der Leseranalyse (Vorgänger der MA) einigte
man sich als Währung auf den Leser pro Nummer (LpN). Der LpN bezeichnet
die Gesamtheit derer, die nach eigener Angabe im Rahmen einer Leserbefragung,
innerhalb eines Erscheinungsintervalls eine Ausgabe einer bestimmten Zeitung
oder Zeitschrift durchgeblättert oder gelesen haben. Diese Personen
hatten also die Chance, Anzeigen in dieser Nummer wahrzunehmen. Der Leser
pro Nummer wird aufgrund der Fragestellung: "Wann haben Sie den Titel
X das letzte Mal gelesen?" ermittelt.
Heute wird in der MA anstelle des Lesers pro Nummer der Leser pro Ausgabe
(LpA) ausgewiesen. Im Gegensatz zum empirisch erhobenen LpN handelt es
sich hierbei um einen synthetischen Wert, der aufgrund der Berechnung
von Lese- und Nutzungswahrscheinlichkeiten gebildet wird. Theoretisch
kann man aber sagen, daß LpA und LpN verschiedene Ausdrücke
für den selben Sachverhalt sind Þ nämlich die Leserschaft
einer durchschnittlichen Ausgabe.
Mediaplanung mit Hilfe der MA
Die MA gibt ½-jährlich Berichtsbände heraus, in denen
die wesentlichen Ergebnisse aller erhobenen Medien enthalten sind. Die
Ergebnisse werden zum einen als Reichweitenprozente sowie als Hochrechnung
auf die Gesamtbevölkerung ausgewiesen.
Um auch komplexere Zielgruppen komfortabel zählen zu können,
bedienen sich Agenturen wie Verlage mittlerweile ausgefeilter PC-gestützter
Planungs-Tools. Das bekannteste unter ihnen ist wohl das Mediaplanungs-Dialog-System
(MDS), das im Axel Springer Verlag entwickelt wurde. MDS gilt als absoluter
Standard für schnelle und gründliche Mediaplanung und kaum eine
Agentur verzichtet heutzutage noch auf dieses Programm. Für die regionalen
Tageszeitungen wird das Programm Regio-MDS angeboten, in dem alle in den
Tarifen ausgewiesenen Anzeigenbelegungseinheiten bewertet werden können.
Am Anfang muß eine Zielgruppe definiert werden. Mit Hilfe von "und/oder-Abfragen"
können der Zielgruppe einzelne Merkmale hinzu gefügt werden,
so daß die Anzahl der Personen soweit begrenzt wird, bis nur die
jeweilige Kernzielgruppe übrig bleibt. Mit jedem ausgewählten
Einzelmerkmal erscheint sofort im rechten Fenster die Größe
der aktuellen Zielgruppe als Fallzahl, Zahl der Interviews und Hochrechnung.
Im nächsten Schritt müssen die Medien ausgewählt werden,
die gezählt werden sollen. Während in MDS lediglich die Gesamtausgabe
der Zeitungsgruppe WAZ ausgewiesen ist, kann man in Regio-MDS auch verschiedene
Lokalausgaben selektieren.
Die selektierten Medien, können nach vom Planer vergebenen Kriterien
sortiert werden (z.B. Affinität, Tausenderpreis, Reichweite, GRP
usw.). Diese Funktion ist insbesondere für Mediaplaner in den Agenturen
interessant.
Durch die Planevaluierungsfunktion von MDS können die Leistungskriterien
der ausgewählten Medien ausgezählt werden. MDS liefert uns alle
wichtigen Media-Kennziffern (Reichweite, Kontakte, Durchschnittskontakte,
GRP, Tausender-Preise). Der Vergleich verschiedener Werbeträger und
die Bewertung von Werbeplänen ist durch die Entwicklung der Planungs-Programme
enorm verbessert worden.
Mit dem Zählprogramm PLIS gibt die ZMG den Agenturen und Verlagen
außerdem ein Tool an die Hand, das speziell auf die Belange der
regionalen Tageszeitung ausgerichtet ist. Dem Mediaplaner wird so die
mühsame Auseinandersetzung mit unterschiedlich strukturierten Anzeigentarifen
erspart. Die Media-Planung von regionalen Tageszeitungen wird also erleichtert.
Große Unternehmen beschäftigen mittlerweile eigenständige
Mediaagenturen, die sich mit nichts anderem als Mediaplanung, der Optimierung
von Streuplänen und dem Media-Einkauf auseinandersetzen. Früher
war der Bereich Media als Unterabteilung in den Werbeagenturen angesiedelt
und wurde recht stiefmütterlich behandelt. Insbesondere die Entwicklungen
im TV-Bereich haben einen Ausbau der Mediaabteilungen erfordert. Die Einführung
des Privatfernsehens zwang die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten
von ihrer strikten Zuteilungspolitik abzulassen und sich dem Wettbewerb
zu stellen. Es wurden immer mehr Werbegelder in TV-Spots investiert. Das
hatte zur Folge, daß auch eine detailliertere Planung notwendig
wurde, die nicht nur den günstigsten Fernsehsender, sondern auch
den optimalen zeitlichen Einsatz und ein passendes Umfeld für den
Werbespot auswählt.
Da viele Kunden, insbesondere aus dem lokalen Einzelhandel, der ja einen
beträchtlichen Teil des Anzeigenumsatzes der regionalen Tageszeitungen
ausmacht, nicht über die Mittel verfügen, Agenturen zu beschäftigen,
übernimmt die Zeitungsgruppe WAZ die Zählung und Evaluierung
von Mediaplänen als Serviceleistung.
Messung der Werbewirkung von Anzeigen durch Copytests
Regelmäßig gibt der Markt-Media Service für bestimmte
Lokalausgaben Copytest-Untersuchungen in Auftrag. Diese werden vom Marktforschungsinstitut
Markt Media Analysen in Frankfurt durchgeführt.
Für die Verlage und Werbungtreibenden ist der Copytest ein wichtiges
Instrument zur Feststellung der Beachtung von Anzeigen. 250 nach dem Quota-Verfahren
ausgewählten Lesern wird eine Ausgabe der zu testenden Zeitung/ Zeitschrift
vorgelegt. Sie blättern diese durch und werden hinterher vom Interviewer
gefragt, welche Anzeigen sie angesehen haben und an welche Werbeaussagen
sie sich erinnern.
Auch einzelne Elemente einer Anzeige werden getestet. Ist die Headline
einprägsam? Werden die Preisangaben beachtet? Hat der Leser das Markenzeichen
bemerkt? Aus der Befragung lassen sich Rückschlüsse zur Gestaltung,
Größe und Plazierung einer Anzeige ziehen, die auch bei der
Annahme von Anzeigen beachtet werden müssen, um für den Kunden
den optimalen Werbeerfolg zu gewährleisten.
Heutzutage führen die Interviewer die Copytests hauptsächlich
am Computer durch (sog. Pentop-Befragung). Die befragte Person kann per
Mausklick Einzelheiten einer Anzeige markieren, die sie für besonders
auffällig hält. Der persönlich Einfluß des Interviewers
auf die Testperson wird durch die Pentop-Befragung erheblich reduziert,
was dazu führt, daß die Ergebnisse stichhaltiger werden.
Die Ergebnisse der Interviews werden dem Markt-Media Service in tabellarischer
Form zugesandt. Er hat nun die Aufgabe, die Daten für die WAZ-Gruppe
auszuwerten und die Anzeigenleitung über neue Erkenntnisse auf dem
laufenden zu halten. Außerdem müssen die Ergebnisse optisch
aufbereitet und kundengerecht verarbeitet werden. Die wichtigsten Informationen
werden in Form von Broschüren an die Medienberater verteilt, die
die Ergebnisse beim Kunden einsetzen können.
Die Stärken der Tageszeitung im intermedialen Vergleich
Der Intermedia-Vergleich ist ein gängiges Verfahren zur Bewertung
der Werbewirkung unterschiedlicher Medien. Während beim Intermedia-Vergleich
verschiedene Mediengattungen untersucht werden (z.B. TV, Funk, Zeitung,
Internet etc.), beschäftigt sich der Intramedia-Vergleich mit der
Wettbewerbssituation konkurrierender Medien innerhalb einer Gattung.
In der Fachwelt ist es umstritten, wo der exakte Grenzbereich zwischen
Inter- und Intramedia angesiedelt ist. Gehören die Anzeigenblätter
beispielsweise in die Gattung der Zeitungen oder gehören sie einer
anderen Mediengattung an? Um die Qualitäten der Anzeigenblätter
zusätzlich abzuwerten, bezeichnet die ZMG ihre Broschüre "Zeitungen
und Anzeigenblätter" beispielsweise als Intermedia-Vergleich
und spricht den Anzeigenblättern somit indirekt jede Nähe zur
Tageszeitung ab. Über die Frage, ob ein solches Vorgehen statthaft
ist, ließe sich natürlich streiten.
Innerhalb der Zeitungsgruppe WAZ hat der Markt-Media Service die Aufgabe,
die Qualitäten der WAZ-Titel gegenüber den Mitbewerbern hervorzuheben.
Hierfür ist der Intermedia-Vergleich ein bewährtes Mittel. Folgende
Stärken zeichnen die Tageszeitung im Allgemeinen aus*:
· positives Image Þ Tageszeitung steht für Qualität,
Kompetenz, Service...
· hohe Glaubwürdigkeit Þ 65 % der Leser sagen: "Tageszeitung
berichtet wahrheitsgetreu"
· hohe Lesedauer Þ durchschnittlich 40 Minuten
· intensive Nutzung Þ durchschnittlich werden 63 % der Zeitung
gelesen
· hohe Bildung der Tageszeitungsleser
· hohe Leser-Blatt-Bindung Þ 74 % der Leser würden die
Zeitung stark vermissen
* Quelle: ZMG-Sudie "Zeitungen und Anzeigenblätter"
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