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Thorsten Radermacher im Oktober 1998
Abteilungsberricht: "Die Vertriebsverwaltung"
I. Die Vertriebsverwaltung
Eine ordentliche, pünktliche und mangelfreie Zustellung ist für
den Erfolg einer Tageszeitung ebenso wichtig wie ein informatives und
unterhaltsames redaktionelles Angebot. Die Vertriebsabteilung ist deshalb
ständig bemüht, die Dispositions- und Versandabläufe zu
optimieren. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es eines gut
durchstrukturierten Verwaltungsapparates, dessen wichtigste Schnittstelle
bei der WAZ die Hauptvertriebsverwaltung bildet.
Die Vertriebsverwaltung ist direkt der Hauptvertriebsleitung unterstellt.
Ihre Hauptaufgabe ist es, in Kooperation mit den regionalen Vertriebsleitungen
und lokalen Geschäftsstellen, die Vertriebsaktivitäten zu koordinieren
und somit eine optimale Zustellung zu ermöglichen. Darüber hinaus
dient sie als Ansprechpartner und Serviceabteilung für die Geschäftsstellen
und übt gleichermaßen eine Kontrollfunktion über diese
aus.
Aufgrund der Auflagenzahlen, die im EVITA- System errechnet werden, werden
in der Vertriebsverwaltung regelmäßig Statistiken über
die Auflagenentwicklung der Zeitungsgruppe WAZ erstellt. Sie sind ein
wichtiges Informations- und Steuerungsinstrument für die Vertriebsabteilungen
und darüber hinaus unverzichtbar für die Präsentation des
Werbeträgers durch den Anzeigenverkauf. Einmal im Quartal werden
der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern
(IVW) die Auflagenzahlen der verschiedenen Anzeigenbelegungseinheiten
gemeldet. Diese werden in der IVW- Auflagenliste veröffentlicht und
sind allgemein zugänglich.
Die tägliche Druckauflagenermittlung
Eine der wesentlichen Aufgaben der Vertriebsverwaltung ist es, die täglichen
Druckauflagen zu ermitteln und an die Druckereibetriebe weiterzuleiten.
Alle die Auflage betreffenden Daten, die täglich in den lokalen
Geschäftsstellen in das EVITA-System eingegeben werden, laufen gemeinsam
mit den Eingaben des Postvertriebes und des Einzelverkaufs in der EDV-
Abteilung zusammen. Auf dieser Grundlage wird im EDV- System die tägliche
Druckauflage ermittelt. Die Vertriebsverwaltung holt sich die Druckauflagen
der einzelnen Teilausgaben jeden Morgen per Filetransfer auf ihren PC
und schreibt daraufhin eine Auflagenbestellung an die Druckhäuser
in Essen und Hagen. Bei Bedarf können hierbei einzelne Teilauflagen
erhöht werden, wenn eine Geschäftsstelle beispielsweise Belegexemplare
oder Resthaushaltsabdeckungen angemeldet hat.
Eine Woche im voraus werden in der Vertriebsverwaltung die Paketgrößen
für den Versand festgelegt. Die Paketgrößen sind vom variierenden
Umfang der Ausgaben abhängig. Dabei muß man bedenken, daß
die Tagesumfänge nicht allein vom redaktionellen Inhalt bestimmt
werden, sondern maßgeblich vom Anzeigenteil abhängig sind.
Insbesondere die Anzahl an Beilagen wirkt sich auf die Paketgrößen
aus und muß deshalb in der Berechnung berücksichtigt werden.
Zu große Pakete würden im Versand durch ihr hohes Gewicht und
ihre Unhandlichkeit zu unnötigen Verzögerungen führen.
Die Paketgrößen werden in das EVITA- System eingepflegt. Auf
dieser Grundlage werden in der EDV die Packzettel erstellt, die der Versand
am Erscheinungstag zur Aufteilung der Exemplare benötigt.
Die Verwaltung der Fremdobjekte
Für die überregionalen Zeitungsverlage stellt sich das Problem,
daß sie außerhalb ihres Kernverbreitungsgebietes nicht über
eine ausreichend hohe Bezieherdichte verfügen, die ein verlagseigenes
Trägernetz betriebswirtschaftlich rechtfertigen würde. Andererseits
können sie aber nicht auf den Service der täglichen Botenbelieferung
verzichten. Diese Verlage greifen deshalb auf die vorhanden Trägernetze
ortsansässiger Partnerverlage zurück und lassen ihre Objekte
über deren Zusteller verteilen. Für diesen Service bezahlen
sie dem Vertragspartner einen gewissen Betrag pro ausgeliefertem Exemplar.
Viele überregionale Titel nutzen seit langem das gut ausgebaute
Trägernetz der Zeitungsgruppe WAZ im Ruhrgebiet und Südwestfalen.
So lassen die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung,
Frankfurter Rundschau, die Welt, die TAZ sowie das Handelsblatt und der
Kölner Stadtanzeiger täglich ihre Objekte von den Boten der
Zeitungsgruppe WAZ ausliefern.
Die Vertriebsverwaltung fungiert in diesem Zusammenhang als Ansprechpartner
für die Fremdverlage. Alle Veränderungsmeldungen und Reklamationen
laufen hier zusammen und werden an die zuständigen Geschäftsstellen
weitergeleitet. Auch die Abrechnung der Fremdobjekte wird von der Vertriebsverwaltung
durchgeführt. Die Zustellung von Fremdobjekten bedeutet für
die WAZ eine zusätzliche Einnahmequelle, der ein relativ geringer
Mehraufwand gegenüber steht.
Erfolgsermittlung einer Tageszeitung anhand der Auflagenstatistik
Die Tagesauflagen der Zeitungsgruppe WAZ werden in der sogenannten Auflagenfortschreibung
festgehalten. Die Auflagenfortschreibung enthält die Abo- Auflage,
die EV- Auflage, Freistücke und Werbeexemplare sowie Spendenzeitungen
und Aussetzer eines Tages. Mit Hilfe dieser Kennziffern können in
der Vertriebsverwaltung verschiedene Statistiken über den Verkaufserfolg
der Zeitung erstellt werden.
Zweimal im Monat wird die aktuelle Auflage mit der Auflage des Vormonats
bzw. des Vorjahresmonats verglichen, um Entwicklungen zu erkennen und
zu analysieren. Da besonders die regionalen Abonnementszeitungen von rückläufigen
Auflagenzahlen betroffen sind, ist es wichtig, sich die Situation anhand
stichhaltiger Daten vor Augen zu führen. Die Statistik dient hierbei
als Informationsquelle und wichtiges Mittel zur Entscheidungsfindung.
Es ist ebenfalls möglich die eigenen Auflagenzahlen mit denen der
Mitbewerber zu vergleichen, um auf diese Weise Marktanteile zu errechnen
und die eigene Position auf dem Lesermarkt zu bestimmen. Darüber
hinaus können bei Bedarf Statistiken für andere Abteilungen
erstellt werden. Beispielsweise können die Auflagenzahlen als wichtiges
Verkaufsargument für die Anzeigenabteilungen genutzt werden.
Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern
Die IVW ist eine unabhängige Prüfungsinstanz, der sich Medienbetriebe
freiwillig anschließen. Sie ermittelt und prüft die Verbreitung
von Medien und veröffentlicht diese in regelmäßig erscheinenden
Listen. Im Falle der Printmedien bedeutet dies eine Überprüfung
der Auflagengattungen Druck, Abo, EV, sonstiger Verkauf , Werbeexemplare
und der Remission. Ziel ist es "zur Förderung der Wahrheit und
Klarheit der Werbung und damit zur Sicherung eines echten Leistungswettbewerbes"
objektive Daten über die Verbreitung von Werbeträgern bereitzustellen
(IVW- Satzung §1 Abs 1). Die IVW ist deshalb in erster Linie ein
Instrument des fairen Wettbewerbs.
Die IVW- Mitgliedsverlage verpflichten sich, nach Abschluß eines
Quartals eine Auflagenmeldung bei der IVW einzureichen. Diese Aufgabe
übernimmt bei der WAZ die Vertriebsverwaltung. Aus der EDV bekommt
sie zum Quartalsende alle erforderlichen Daten bereitgestellt, auf deren
Grundlage eine Statistik erstellt wird, in der die durchschnittlichen
Tagesauflagen der einzelnen Anzeigenbelegungseinheiten der WAZ- Gruppe
aufgeführt werden. Dazu werden die Tagesauflagen der einzelnen Ausgaben
addiert und durch die Erscheinungshäufigkeit dividiert. Daraufhin
wird für jede Teilausgabe ein eigenes Meldeformular ausgefüllt
und an die IVW geschickt.
Anhand der Auflagenmeldung errechnet die IVW die verkaufte und die verbreitete
Auflage des Werbeträgers selbständig. Die verkaufte Auflage
ergibt sich aus der Addition von Abo- Auflage, EV- Auflage und sonstigem
Verkauf minus der Remission. Die verbreitete Auflage erhält man,
wenn man zu der verkauften Auflage die Werbeexemplare addiert.
Die Veröffentlichungen der IVW
Die IVW veröffentlicht in regelmäßigen Abständen
verschiedene Statisitken. Die Auflagenliste erscheint vierteljährlich.
Jeder in der Auflagenliste veröffentlichte Titel und jede Teilausgabe
muß einer im Anzeigentarif angebotenen Anzeigenbelegungseinheit
entsprechen.
Alle zwei Jahre gibt die IVW eine Verbreitungsanalyse der verkauften
Auflagen der ihr angeschlossenen Tageszeitungen heraus. Die Aufstellung
ist hierbei nach Gebieten gegliedert. Die Verbreitungsanalyse ist eines
der Basisinstrumente der Mediaplanung von Tageszeitungen. Hier kann exakt
nachvollzogen werden, welche Zeitungen in welcher Region mit wieviel Exemplaren
verkauft wurden.
Darüber hinaus erscheint einmal im Jahr die sogenannte Basisliste,
in der alle an die IVW angeschlossenen Medienbetriebe mit Namen, Anschriften
und Titeln veröffentlicht werden.
Für die werbungtreibende Wirtschaft sowie für die Mediaagenturen
haben die IVW- Zahlen einen hohen Stellenwert. Wer Werbepläne erstellen
muß und mit Auflagenzahlen und Mediadaten arbeitet wird immer wieder
prüfen, ob ein Werbeträger der IVW angeschlossen ist. Ihre hohe
Glaubwürdigkeit hat die IVW zum Markenzeichen gemacht.
II. Der Postvertrieb
Bei der Zeitungsgruppe WAZ ist der Postvertrieb in die Vertriebsverwaltung
eingegliedert. Hier werden die Zeitungsabonnements verwaltet, die nicht
per Boten zugestellt werden, sondern mit der Post AG aufgrund eines Vertrages
Pressepost versendet werden.
Der Postzeitungsdienst wird in Anspruch genommen bei Lieferungen an Kunden
außerhalb des Verbreitungsgebietes und Reisenachsendungen sowie
bei Lieferungen ortsfremder Ausgaben und Teilabonnements, da eine Zustellung
per Boten in diesen Fällen aufgrund des hohen Aufwandes nur selten
möglich ist. Auch kommt es in ländlichen Gegenden vor, daß
bestimmte abgelegene Gebiete nicht vom Zeitungsboten beliefert werden
können.
Der Postvertrieb übernimmt für diese Abonnements die gleichen
Aufgaben, wie die lokalen Geschäftsstellen es im Bereich der Botenzustellung
tun. Es werden neue Abos eingewiesen, Aussetzer angenommen, Reisenachsendungen
veranlaßt, Reklamationen bearbeitet. Die täglichen Einlieferungsgewichte
werden tabellarisch festgehalten und dienen als Grundlage für die
Abrechnung mit der Post.
Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen Pressepost
Die Zustellung über die Post basiert auf der Grundlage der Allgemeinen
Geschäftsbedingungen Pressepost (AGB PP). Bei der Pressepost handelt
es sich um einen kostengünstigen Service der Post AG für Presseerzeugnisse.
Die Verlage können ihre Objekte als Pressesendung oder Postvertriebsstück
versenden, wobei die Post AG jeweils bestimmte Mindestanforderungen stellt.
Für beide Versendungsarten gilt: die Objekte müssen eine kontinuierliche
äußere und innere Gestaltung aufweisen, auf formatgleichen
Blättern gedruckt werden, allgemein zugänglich sein und periodisch
erscheinen.
Sie werden außerdem daraufhin geprüft, ob ihr Herausgabezweck
auf die öffentliche Verbreitung von Informationen und Unterhaltung
ausgelegt ist. Werbeprospekte und Kataloge werden nicht als Pressespost
zugelassen.
Für das Postvertriebsstück gelten darüber hinaus noch
gesteigerte Anforderungen. Der Titel muß mindestens 30 Prozent redaktionelle
Berichterstattung aufweisen, mindestens 10 Prozent der Auflage müssen
entgeltlich verbreitet werden. Jedes Objekt, das zum Postzeitungsdienst
zugelassen wird, erhält von der Post ein sogenanntes Postvertriebskennzeichen,
das bei der Versendung angegeben werden muß.
Objekte, die zum Postzeitungsdienst zugelassen sind, können bei
Bedarf als Streifband an Einzelempfänger versendet werden. Auf diese
Art der Zustellung wird bei der Versendung von Belegexemplaren sowie Nachlieferungen
im Bereich des Postvertriebes zurückgegriffen.
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