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Filmschnitt in der Praxis

Eine Hausarbeit von Thorsten Radermacher

 

Inhaltsverzeichnis


1. EINLEITUNG

2. ELEKTRONISCHER SCHNITT-SCHNEIDEN HEIßT KOPIEREN

3. VORBEREITUNGEN FÜR DEN SCHNITT

4. DER SCHNITTVORGANG

LITERATURVERZEICHNIS

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Hier findet Ihr weitere nützliche Infos zum Thema Filmschnitt.

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1. Einleitung

Unter dem Begriff "Filmschnitt" wird in der Praxis der technische Vorgang des sinnvollen Aneinanderfügens zuvor ausgesuchter Szenen verstanden. Da ein Film aus organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Gründen nie kontinuierlich gedreht wird, muss jeder Film geschnitten werden. Außerdem entstehen beim Dreh auch Szenen, die bei späterer Betrachtung nicht in das Konzept des Regisseurs passen oder aus anderen Gründen misslungen sind (z.B. Versprecher der Darsteller oder Tonprobleme) und deshalb nicht im Endprodukt verwendet werden können. Diese Blöcke müssen also herausgeschnitten werden.

Weil in der Literatur häufig zwischen "Schnitt" und "Montage" unterschieden wird, möchte ich an dieser Stelle kurz auf die Unterschiede eingehen. In Abgrenzung zum Schnitt, der in erster Linie ein technischer Vorgang ist, bezeichnet man mit der Montage den ästhetischen Aspekt des Verfahrens. Das heißt, dass in der Montage das im Schnitt ausgewählte Bildmaterial zum einheitlichen Ganzen des Films zusammengefügt wird.

Da der Begriff "Filmmontage" heute in Deutschland, trotz seiner ursprünglichen Herkunft aus der Praxis, in erster Linie in der theoretischen Diskussion verwendet wird, möchte ich im folgenden von "Filmschnitt" sprechen. Dieser Terminus wird hierzulande von Praktikern in der Regel verwendet.

2. Elektronischer Schnitt - schneiden heißt kopieren

Wenn man heutzutage von Schnitt spricht, meint man in der Regel elektronischen Schnitt. Beim elektronischen Schnitt bleibt das Originalband unangetastet. Das Schnittprodukt entsteht hierbei als Kopie von ausgewählten Szenen aus den Originalbändern. Der Vorteil zum veralteten mechanischen Schnittverfahren liegt darin, dass das Originalmaterial bei diesem Vorgang nicht zerschnitten wird. Jeder Vorgang kann also beliebig häufig wiederholt werden.

Das war beim mechanischen Schnittverfahren nicht der Fall. Hier bedeutete Schneiden immer ganz im wörtlichen Sinne, dass zwei Einzelbilder mit Hilfe der Schere am unbelichteten Zwischenraum getrennt wurden. Dabei traten zwangsläufig eine Fülle von Problemen auf. Eine Erschwernis lag bereits darin, die genaue Schnittstelle auf dem Film zu identifizieren. Man konnte ja nicht, wie heute beim elektronischen Schnitt, den Film an der gewünschten Stelle stoppen und einen Schnitt durchführen. Wenn das Wiedergabegerät gestoppt wurde, lief es erst mal ein paar Umdrehungen weiter, bis es zum Stillstand kam. Dann musste die gewünschte Stelle auf dem Band abgeschätzt und mit einem Stift markiert werden. Auf die gleiche Weise musste auch der zweite Schnittpunkt gesucht werden, bis dann schließlich die Schere zum Einsatz kam.
Ein weiteres Problem bestand darin, dass Bild und Ton auf dem Film den Bruchteil einer Sekunde auseinander lagen und man sich bei einem Schnitt demnach nie sicher sein konnte, ob man nicht das letzte Wort einer Szene halbierte.

Auch konnte der Film nicht beliebig oft geschnitten und wieder zusammengeklebt werden, da das Klebeband, mit dem die Schnittenden verbunden wurden sehr gut haftete und jedes erneute Auseinandernehmen unweigerlich Qualitätsverluste zur Folge hatte, wenn es nicht gar Teile des Materials zerstörte.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass es in der Filmgeschichte zahlreiche Beispiele gibt, dass man trotz dieser Unwägbarkeiten, technisch ausgereifte und künstlerisch ansprechende Filmproduktionen herstellen kann. Der elektronische Schnitt bedeutet aber zweifellos für den Cutter eine immense Arbeitserleichterung.
Eine weitere Stufe ist das digitale Schnittverfahren, bei dem Bild- und Toninformationen direkt auf die Festplatte eines Computers überspielt werden und somit dort direkt, also ohne das Spulen von Tonbändern, abrufbar sind. Da die Daten aufgrund begrenzter Kapazitäten mit Datenkompressionsverfahren reduziert werden müssen, kommt es hier allerdings zu geringen Qualitätseinbußen, die dann problematisch werden, wenn mehrfach Reduktionsverfahren durchlaufen werden müssen (z.B. bei Satellitenübertragungen).

3. Vorbereitungen für den Schnitt

Um die komplizierten Arbeitsabläufe während des Schnitts möglichst übersichtlich zu halten, wird in der Regel vor dem eigentlichen Schneidevorgang eine Schnittliste erstellt. Im Rahmen unserer Produktionswoche haben wir eine Vorstufe dieser allgemein üblichen Arbeitsweise angewendet. Wir sichteten hierbei das gedrehte Material und trafen eine Auswahl, welche Passagen wir wann einsetzen wollten. Diese Einstellungen trugen wir dann mit ihren IN- und OUT-Punkten in die tabellarische Schnittliste ein. Unter IN- und OUT-Punkten versteht man die Zeit zwischen Beginn und Ende eines Aufzeichnungsvorganges. Sie ergeben sich aus dem sogenannten "Timecode", der bei jeder professionellen Magnetbandaufzeichung (MAZ) als separate Information auf dem Magnetband aufgezeichnet wird.

Der Sinn und Zweck des Timecodeverfahrens liegt darin, dass jedes einzelne Vollbild auf einer MAZ exakt adressierbar ist. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Schnitt an der gewünschten Stelle durchgeführt wird. Der Timecode besteht aus einer achtstelligen Zeitangabe (z.B. 00:12:04:12), wobei die letzten beiden Ziffern das jeweilige Vollbild bezeichnen. Aufgrund von Fehlern im Timecode kann es im Schnittbetrieb zu Synchronisierungsproblemen kommen. Diese Probleme möchte ich an dieser Stelle aber aus Gründen der Komplexität nicht näher erläutern.

Der Nachteil des von uns angewandten Verfahrens zur Erstellung der Schnittliste ist offensichtlich. Die einzelnen IN- und OUT-Punkte müssen von Hand in den Schnittcomputer eingeben werden und aufgrund der anzunehmenden Ungenauigkeiten, muss jeder Schnitt noch einmal einzeln nachbearbeitet werden, was wiederum Zeit in Anspruch nimmt.

Im professionellen Bereich haben sich deshalb zwei andere Verfahren durchgesetzt: Der Online- und der Offlineschnitt.

Der Unterschied zwischen Online- und Offlineschnitt besteht grundlegend darin, dass beim Onlineschnitt die Schnittliste als Protokoll während des eigentlichen Schnittvorgangs angelegt wird, während Offline die Schnitte lediglich simuliert werden, die Schnittliste also vor dem Schnitt entsteht. In beiden Fällen wird die Schnittliste im Arbeitsspeicher des Systems geführt und kann auf Diskette übertragen werden. Die elektronische Schnittliste (auch EDL) dient dann als Steuerungsprogramm für die automatische Bearbeitung der Arbeitsvorgänge im Schnittcomputer (Auto-Assembly).

Bei aktuellen Beiträgen verzichten Fernsehjournalisten aus Zeitgründen auf die umständliche Erstellung einer Schnittliste und entscheiden aufgrund der Aufzeichnungen des Drehprotokolls, welche Einstellungen sie für ihren Beitrag verwenden. Am Schneidetisch werden dann nur noch die auf diese Weise selektierten Einstellungen betrachtet und sofort geschnitten.

4. Der Schnittvorgang

Wie bereits eingangs erwähnt, entsteht beim elektronischen Schnitt die fertige Aufzeichnung durch das Umkopieren des Originalbandes (Slave) auf ein Masterband. Die einzelnen Einstellungen werden hierbei in der gewünschten Reihenfolge nahtlos hintereinander aufgenommen.

Anhand der IN- und OUT-Marken auf der Schnittliste sucht man zunächst die erste Einstellung, die auf das Masterband umkopiert werden soll. Dieser Arbeitsschritt geht umso schneller, je mehr Zuspielmaschinen zur Verfügung stehen. Mit Hilfe eines Jog-Shuttles am Schnittsystem, kann man das Band ganz langsam Bild für Bild betrachten. Auf diese Weise kann man jedes einzelne Vollbild genau ansteuern, um die Einstiegspunkte exakt zu ermitteln. Durch Drücken der Taste "Mark-In" wird der Einstiegspunkt im Steuergerät gespeichert. Auf die gleiche Weise legt man nun auch den Endpunkt der Aufzeichnung durch Drücken der "Mark-Out"-Taste fest.

Der Schnittplatz verfügt über eine Previewfunktion. Diese dient dazu, zu simulieren, wie der programmierte Schnitt aussehen würde, ohne aber direkt aufzunehmen. Nach Ablauf des Previews laufen die Bandmaschinen wieder in ihre Ausgangspositionen zurück. Ist der Schnitt gelungen kann nun im EDIT-Mode (auch Record) endgültig aufgezeichnet werden. Nach diesem Prinzip werden nun alle Einstellungen in der richtigen Reihenfolge auf das Master überspielt.

Die hier beschriebenen Vorgehensweise wird in der Praxis Assemble-Schnitt genannt (engl. = zusammenfügen), da die Einstellungen der Reihe nach aneinandergefügt werden. Da beim Assemble-Schnitt neben der Video- und Audio-Spur auch der Timecode und die Steuerspur gelöscht werden, treten am Ausgangspunkt immer hässliche Löschstreifen auf. Deshalb wird der Assemble-Schnitt nur dann angewendet, wenn Szenen sukzessive aneinandergefügt werden. Hiervon zu unterscheiden wäre der Insert-Schnitt (engl. = etwas einsetzen), bei dem eine bereits bestehende Passage durch eine neue Einstellung überspielt wird. Der wichtigste Vorteil des Insert-Schnitts ist es, dass der Ausstieg immer technisch sauber ist. Und das auch dann, wenn das Band mit der Stopp-Taste angehalten wurde.

In größeren Produktionsfirmen wird heutzutage häufig mit Schnittcomputern gearbeitet. Hierbei werden die in der Schnittliste erfassten Ein- und Ausstiegspunkte automatisch der Reihe nach vom System abgearbeitet. Der programmierte Schnitt ist im Vergleich zum handgesteuerten Schnitt eine enorme Arbeitserleichterung. Bei nachträglichen Änderungen kann die Schnittliste im System korrigiert werden und der Computer wiederholt den Schnitt selbständig. Beim handgesteuerten Schnitt müsste man alle Schnitte ab der geänderten Stelle wiederholen (Ausnahme: Insert-Schnitt), was einen großen zusätzlichen Zeitaufwand bedeutet.

Literaturverzeichnis

Müller, Arnold Heinrich: Der elektronische Schnitt. Alles über die Praxis der elektronischen Schnittbearbeitung. Hamburg (Heiko Sven Hausmann Verlags- und Filmproduktionen) 1992. (= GTC Broadcast Praxis)

Schult, Gerhard; Buchholz, Axel (Hrsg.): Fernseh-Journalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. München (Econ Ullstein List) 2000. (= List Journalistische Praxis)