Kurze Einführung in die Fernsehgeschichtevon Thorsten Radermacher auf Basis einer Vorlesungsmitschrift des Seminars "Vom Dualen System zum interaktiven Fernsehen", Uni Siegen SS 2001 Als erstes großes Fernsehereignis gilt die Übertragung der
Olympischen Spiele 1936 in die deutschen Fernsehstuben. In Amerika wurde
1939 eine Ansprache Franklin D. Roosevelts ausgestrahlt. Durch den zweiten
Weltkrieg wurde die weitere Entwicklung des Fernsehens zunächst aufgehalten.
Gleichwohl wurde das Fernsehprogramm von den Nazis zu Propagandazwecken
gezielt eingesetzt. Am 27. November 1950 begann der NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) ein Versuchsprogramm, das dreimal in der Woche ausgestrahlt wurde. Als offizieller Beginn des Deutschen Fernsehens gilt der 25. Dezember 1952. Seitdem strahlte der NWDR täglich ab 20 Uhr 2 Stunden Programm aus. Britische Produktionen waren in der Anfangszeit die Vorbilder für das junge deutsche Fernsehen und deutsche TV-Produktionen waren häufig Adaptionen von BBC-Sendungen (z.B. Derrick/Maigret oder Panorama) 1953 wurden Rundfunkgebühren eingeführt. Seit 1954 werden auch die Regionalprogramme ausgestrahlt. Die damaligen Programmverantwortlichen verstanden das Fernsehen in erster Linie als Bildungseinrichtung. In Folge dessen wurde der Unterhaltung ein relativ geringer Stellenwert eingeräumt. Im Mittelpunkt stand die Vermittlung guter geistiger Gaben und Information. Dieses Konzept stieß von Anfang an beim Publikum auf wenig Gegenliebe. Der erhöhten Nachfrage der Zuschauer nach Unterhaltung wurde zunächst nicht nachgegeben und es wurde in der Folge am Publikum vorbeigesendet. Als die Hersteller von Fernsehgeräten bei den Sendeanstalten protestierten (sie konnten keine TV-Geräte verkaufen) wurde als Kompromiss die erste Quizsendung ins Programm gehoben. Bei "Was bin ich?" stand aber immer noch der Bildungsgedanke stark im Vordergrund und der Moderator trat als Oberlehrer der Nation auf. 1957 gab es erstmals mehr als 1 Mio. Fernsehzuschauer was ca. 1% der Gesamtbevölkerung entspricht. Das deutsche Fernsehen sendete zu dieser Zeit bereits mehr als fünf Stunden Programm. Das Umschalten zwischen dem ersten Programm und den Regionalprogrammen dauerte in dieser Phase der Fernsehgeschichte teilweise noch 20 Minuten. Man musste sich also am Beginn eines Fernsehabends für ein Programm entscheiden, bei dem man dann auch blieb, oder lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Eine strategisch wichtige Veränderung gab es 1956 als der Bayerische
Rundfunk zum ersten Mal eine Vorform des Werbefernsehens sendete. Es gab
6 Minuten Sendeplatz für Werbung, ein Spot dauerte in der Regel 2
Minuten und enthielt meist eine eigene Dramaturgie. Die verschiedenen
Spots wurden durch optische Trenner unterbrochen, die häufig die
gezeigte Werbung aufs Korn nahm (was zu Schwierigkeiten mit den Werbekunden
führte). Zu dieser Zeit finanzierte sich das Fernesehen zu 70 % aus Gebühren und zu 30 % aus der Werbung Eine zweite wichtige Veränderung war die Einführung des zweiten
Programms am 1. April 1963. Auf Initiative der Regierung Adenauer wurde
das zweite deutsche Fernsehen zunächst als "Deutschland-Fernsehen"
geplant (spöttisch auch: "Adenauer-Fernsehen"). Es sollte
ein werbefinanziertes Fernsehen mit einem höheren Anteil an Unterhaltung
sein. Zwischen 1961 und 1963 wurde als Übergangslösung ein zweites ARD-Programm ausgestrahlt. Man spekulierte bei der ARD darauf, dass sie dieses Programm im Falle eines Scheiterns des ZDF-Staatsvertrages, weiterführen könne. Am 9. Juli 1962 trat dann jedoch mit der Zustimmung des Länderparlamente der ZDF-Staatsvertrag in Kraft. Am 31. März 1963 stellte die ARD ihr zweites Fernsehprogramm ein und einen Tag später startete das ZDF mit einer Ansprache des Intendanten Holzhamer. Positionierung des ZDF: Unterhaltungssender, Shows, importierte Krimis und Lebenshilfe. 1964 wurden die dritten Programme eingeführt. Da die ARD in Folge der direkten Konkurrenz zum ZDF seinen Unterhaltungsanteil mittlerweile stark erhöht hatte, bot sich mit den dritten Programmen die Möglichkeit, Bildungs- und Minderheitenprogramme auszulagern. Die Dritten Programme wurden deshalb zunächst als Studiensender für den Bildungsauftrag konzipiert (z.B. Telekolleg). Ein weiterer Programmschwerpunkt lag in der regionalen Berichterstattung. Ende der 60er Jahre: Vollversorgung mit Fernsehprogrammen in der BRD Bereits in den 50er Jahren vollzog sich eine Umstrukturierung der Mediennutzung
in den USA. Das große Kinosterben zu dieser Zeit wurde auf die Fernsehentwicklung
zurückgeführt. Der wahre Grund liegt jedoch eher in der zunehmenden
Umsiedlung der Bürger von den Großstädten in die Vorstädte.
Hier gab es keine Kinos und die Bürger waren nicht bereit für
einen Kinobesuch eine lange Autofahrt in Kauf zu nehmen. Die Kinos reagierten auf die neue Entwicklung und suchten sich neue Sparten. Es wurden neue Vorführungstechnologien wie z.B. Cinemascope eingeführt. Filme mit einem großen Staraufgebot und teuren Special Effects sollten das Kino zum Erlebnis machen und gegenüber dem biederen Fernsehen abgrenzen. Das Fernsehen sendete Mainstream, während das Kino mit Spartenprogrammen (Erotik, Gewalt, Action...) Erfolg hatte. Durch die Konkurrenzsituation der beiden öffentlich-rechtlichen TV-Sender wurde das Programm den Zuschauerinteressen weiter angenähert. Zunächst gab es Absprachen zwischen den Sendern, wann Information und Unterhaltung gesendet werden sollten. Dazu wurden sogenannte Info- und Unterhaltungsleisten eingeführt. Bald stellte das ZDF fest, dass es eine höhere Zuschauerquote generieren kann, wenn es der Infoleiste der ARD ein Unterhaltungsprogramm entgegensetzte. Die Absprachen wurden daraufhin lockerer. Zu dieser Zeit betrug die Zulieferung der dritten Programme zum ARD-Gemeinschaftsprogramm 6-7 %. Ab den 70er Jahren entwickelte sich das dritte Programm vom Bildungssender zum Vollprogramm mit erheblichem Unterhaltungsanteil. Der Bayerische Rundfunk nahm unter den dritten Programmen eine Sonderstellung ein. Bei kritischen politischen Diskussionen, Kabarett oder Theaterstücken schaltete er sich schon mal aus dem Gemeinschaftsprogramm aus und sendete stattdessen Volkstümliches. Als sich Ende der 70er Jahre Satteliten- und Kabeltechnik allmählich
zur Serienreife entwickelten und damit auch das Problem der Frequenzknappheit
zu meistern schien, wurde die Diskussion um die private Organisation des
Rundfunks wiederbelebt. Nachdem das Bundesverfassungsgericht 1981 den
privat organisierten Rundfunk ausdrücklich guthieß, war das
ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Einführung des "dualen
Systems" aus öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern.
1984 startete das Ludwigshafener Kabelprojekt, dass es Zuschauern zum
ersten Mal erlaubte, kommerzielle Fernsehsender (u.a. RTL und Sat 1) zu
empfangen.
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